Wir bekommen immer mehr Zeit –Teil 2 –

Vision? Nein, Realität…

Rückblende aus Teil 1

Immer mehr Menschen bauen immer mehr Maschinen. Nicht einfach nur Maschinen, sondern Roboter, die letztendlich den Menschen die Arbeit wegnehmen und – ihnen  unendlich viel Zeit verschaffen, da immer weniger gearbeitet werden muss. Gibt es eigentlich noch Berufe oder Tätigkeiten, in denen der Mensch nicht durch Maschinen oder Roboter unterstützt oder gar ersetzt wird?

Die Liste der betroffenen Berufe oder Tätigkeiten kann fortgeführt werden:

… Der Rentner – dem der Ein-Euro-Job für´s Rasenmähen durch den Rasenmähroboter weggenommen wird – kann sich endgültig auf die faule Haut legen.

… Der Fußballspieler bekommt Konkurrenz. Kennen Sie das Bremer Team mit dem schönen Namen „B-Human“? Dieses Team der Universität Bremen ist nach dem 4. WM-Titel überglücklich, bei der 17. „RoboCup“-WM gewonnen zu haben. Übrigens, auf dem 9 x 6 Meter großen Spielfeld liefen nur zweibeinige Roboter.

… Der Chronist – laut Duden „Verfasser einer Chronik“, „jemand, der ein Geschehen verfolgt, beobachtet und darüber berichtet“, ist doch nahe dran, seine Arbeit an die Rechner der sozialen Netzwerke zu verlieren, die automatisch verfolgen, beobachten…

Wir nehmen uns selbst unsere Arbeit, dann haben wir mehr Zeit, unsere Welt zu genießen. Viel Zeit.

Altenpflege ist anstrengend. Soll ja mehr sein als satt und sauber. Drum gibt es auch für die Seelenpflege den Kuschelroboter in Gestalt eines Seehundes, der täuschend echte Bewegungen und Geräusche macht und Bewohner in Seniorenresidenzen in Begeisterungstaumel versetzt. Eiskalte Technik liefert humane Nähe. Solange, bis der Strom ausfällt.

Wir wären bestimmt in der Lage, Pflegeroboter zu bauen, die, im Gegensatz zu den aktuellen Wegwerfprodukten, keine eingebauten Sollbruchstellen, keine nicht auswechselbaren Billigstzahnräder haben und in vordefinierter Kürzestlebenszeit unreparierbar zerbröseln.

Man könnte lapidar bemerken, dass Berufe halt auch einmal das Recht haben, auszusterben. Aber wodurch werden sie ersetzt? Gut, neue Berufe entstehen.
Die Arbeitszeit des Fernsehtechnikers oder des Informationselektronikers fällt mittlerweile zu einem großen Teil in den Bereich der Recyclingwirtschaft, aber das ist ein anderes Thema.

Fahrkartenverkäufer brauchen eine Mittagspause, Fahrkartenautomaten nicht.
Postangestellte haben um fünf Uhr Feierabend oder um sechs Uhr. Packstationen nicht.

Eine neue Zeit beginnt, in der wir mehr Zeit haben werden, aber um welchen Preis?

In ihr fahren führerlose, GPS gesteuerte Traktoren nachts über die Felder. Rasenmäh- und Staubsaugroboter sorgen für Ordnung.

Leider sind die Roboter noch nicht perfekt. So soll zum Beispiel die Drohne, die gerade angeschafft werden soll, noch nicht alle erforderlichen Überfluggenehmigungen und keinen Kollisionsschutz haben. Auch der Schalter für die Option “Ethik EIN-AUS” fehlt noch, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Wie viel wissen wir über selbständig denkende und handelnde Kampfdrohnen, die am Bewegungsmuster von Menschen zwischen Freund und Feind unterscheiden, bevor sie mit ihrer „Arbeit“ beginnen?

Die Möglichkeiten der Technik sind unerschöpflich – aber auch sinnvoll?

So fragt Lars Lundström in einem Interview über die Fernsehserie “Real Humans” in Zeit-Online:
“Möchte man wirklich, dass sich ein Roboter um die Pflege seiner eigenen Kinder kümmert? Andererseits, wenn man einfach nicht genug Zeit hat: Lässt man die Kinder allein oder lieber bei einem Roboter?”

Er sagt aber auch “…Das zeigt, wie sehr wir in einer Gesellschaft leben, die auf Profit und Messbarkeit von Leistung fokussiert ist…”

Nach der Arbeit nehmen wir uns auch das Denken ab.

Unser liebstes Spielzeug, das Auto wird von Assistenten gesteuert. Das so viele Assistenten in einem einzigen Auto überhaupt Platz finden, ist einfach unglaublich:
Spurhalte-, Abbiege-, Notbrems-, Nachtsicht-, Abstands-, Licht-an-und-ausschalt-, Sitzverstell-, Gurtanlege-, Einpark-, Müdigkeitswarn-, Spurwechsel-, Verkehrszeichenassistenten fahren mit.
Mir fällt gerade ein, das ja bei zu schnell angefahrenen engen Kurven die gute alte Physik mit ihrer bewährten Fliehkraft zuschlägt und das Auto aus der Kurve fliegen lässt – denkste.
“…Durch die Kombination mit exakten Daten von Navigationssystemen kann eine ortsbezogene Warnung z. B. bei hoher Geschwindigkeit im Vorfeld einer engen Kurve erfolgen….”

Damit ich die Warnung vor dem Einschlafen am Steuer überhaupt wahrnehme, zupft mich der Wachhalteassistent rechtzeitig am Ärmel.

Auch der Geschichtenschreiber hat seinen Assistenten, der den Begriff “Lieferantenkontakte” rot unterstreicht und stattdessen andere, passendere Begriffe vorschlägt. “Lieferkantenkontakte”, “Lieferentenkontakte”, Lieferartenkontakte”, …. am besten gefällt mir der Vorschlag “Interkontinentalrakete”. Für „Geschichtenschreiber schlägt er vor „Genschichtenschreiber“. Hurra, so entstehen neue Berufe!

Führt man den Gedanken zu Ende, haben wir eine Welt, in der niemand mehr arbeiten muss und in der niemand mehr Verantwortung trägt. Ausschließlich Roboter, die sich gegenseitig warten und reproduzieren, verrichten die Tätigkeiten, die dem Menschen die Zeit rauben.
Dann haben wir endlich mehr Zeit. Und kein Argument mehr, die Pflege unserer Kinder und Eltern einem Pflegeroboter zu überlassen.

Sogar Sprichworte beginnen zu zerbröseln. “Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird”?  Künftig löffeln Roboter jede noch so heiße Suppe aus.

Ein brutales Geräusch, ein schrilles Läuten meines federbetriebenen Weckers, er heißt Peter, beendet meinen Alptraum. Er kommt ohne Batterie aus. Er braucht nur regelmäßig und zuverlässig etwas Zeit und menschliche Zuwendung.
Aber diese Zeit und diese Zuwendung gebe ich ihm gerne.

Ach ja, die Frage nach der Zeit, von der wir ja immer mehr haben … sollten … ist immer noch offen. Was bringen denn Ihnen persönlich all´ die zahlreichen Zeitsparer? Und, wissen Sie eigentlich, wie „Nichts tun“ geht?

Quellenangaben:
Roboter-Ethik – “Bald sind sie überall”
Der britische Informatik-Professor und Ethiker Noel Sharkey erklärt, welche Probleme einer Gesellschaft voller Roboter blühen.
VON Robert Gast, DATUM 23.01.2012 – 11:01 Uhr, QUELLE DIE ZEIT

Pflegeroboter, Putzroboter, Sexroboter
Was, wenn Menschen und Maschinen sich noch näher kommen? Lars Lundström, der Schöpfer der neuen arte-Serie “Real Humans”, zeichnet im Interview sein Bild von der Zukunft.
VON Judith Innerhofer, DATUM 04.04.2013 – 17:47 Uhr, QUELLE ZEIT ONLINE

03.07.2013 / ro

 

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