Von der Punk-Band ans Mozarteum

Der Kontrabass begleitet Justus Böhm schon seit 6 Jahren. Was einst „nur“ ein Geschenk war, ist heute Kern seiner Ausbildung, die vor allem warten, Techniken erlernen und üben, üben, üben beinhaltet.

Foto: Justus Böhm privat

Foto: Justus Böhm privat

Justus Böhm, 20 Jahre, hat es geschafft, wovon viele junge und ältere Menschen rückblickend wohl träumen: Er studiert seit dem Wintersemester 2012/13 an der Universität Mozarteum, der Kunsthochschule für Musik, Schauspiel und verwandte Fächer in Salzburg. Seit 1841 werden in dem „Dommusikverein und Mozarteum“ sehr gute Musiker zu brillanten Musikern ausgebildet.
Dabei wuchs Justus Böhm zwar in einer sehr musikalischen Familie auf, aber seine Liebe zur Musik musste sich erst entwickeln:
„Anfänglich konnte man gar nicht von Liebe sprechen. Die wöchentlichen Klavierstunden haben mich weniger begeistert als genervt und alles stand unter dem Stern ‚Wer übt verliert‘. Schließlich bin ich dann ganz klassisch zum E-Bass gekommen, indem mich Freunde gefragt haben, ob ich nicht mit ihnen ein Punkband gründen wolle. Es war schon alles komplett, nur ein ‚Basser‘ hat gefehlt. Damals war ich 12“, erinnert er sich. „Ich nahm dann auch Unterricht, vor der ersten Stunde gab es allerdings schon die ersten Proben mit der Band. Die Band ging dann nach einem halben Jahr in die Brüche. Ich bin allerdings weiter am E-Bass geblieben.“

Geschenk und hochwertiger Unterricht

Der Sprung zum Kontrabass geschah eher zufällig: „Irgendwann kam dann die Idee auf – mangels eines Konfirmationsgeschenks von meiner Familie an mich -, ob ich nicht Interesse am Kontrabass hätte“, schmunzelt er. Der 14-Jährige nahm an und begann von da an seinen Unterricht bei Christian Hellwich, Kontrabassist bei den Bamberger Symphonikern. Über fünf Jahre lang hielt diese Zusammenarbeit.
Aus einem Versuch wuchs die Passion: Nachdem er auch manchmal bei regionalen Veranstaltungen aufgetreten ist, bewarb er sich an Musikhochschulen in Berlin, Frankfurt – und eben Salzburg.
Sein erster Eindruck beim Betreten der dieser altehrwürdigen Institution war sehr positiv: „Ich war durchaus begeistert: ein tolles Gebäude und da es ein unglaublich heißer Sommertag war, war auch eine sehr angenehme Stimmung – abgesehen von der persönlichen Aufregung bezüglich der Prüfung.“
„Wie ein Stechen um die verfügbaren Plätze“
Jedes Jahr erreichen lange Bewerberlisten die Hochschule und jedes Jahr schafft es nur ein Bruchteil junger Menschen, einen der begehrten Studienplätze zu erhalten. Die Zulassungsprüfung gliedert sich in zwei Teile. Es gibt eine Gehörbildungs- und Klavier-Prüfung, die essenzielle Grundlagen zu diesen Themen abfragt und nur als „bestanden“ absolviert werden muss. Als ausschlaggebend  aber gilt die Hauptfach-Prüfung, bei der alle Bewerber einzeln vorspielen und „es quasi wie ein Stechen um die verfügbaren Plätze ist“, erinnert sich Justus Böhm.
Direkt im Anschluss wurde die Entscheidung mitgeteilt, wer an der Hochschule aufgenommen wird und wird nicht. Der 20-Jährige hat sich natürlich rießig gefreut und hat gleich mit ein paar neuen Kontakten darauf angestoßen.
Inzwischen habe sich die Aufregung  sicherlich etwas relativiert:  „Man schaut zum Beispiel  weniger das Gebäude an als den Bildschirm, auf dem steht, wann das nächste Übezimmer frei wird.“

Rundumausbildung: Instrument, Gehör und Geschichte

Denn auf dem Stundenplan steht noch viel mehr, als „immer nur“ Kontrabass: Nebenfächer, wie zum Beispiel Klavier, Gehörbildung, Tonsatz und Musikgeschichte. Einen wirklichen Alltag gebe es nicht – außer dem, dass man wohl  immer mehr üben sollte, lacht er.
Es stehen nämlich auch immer wieder viele Konzerte auf dem Programm. Das Angebot kulturellen Ohrenschmauses ist in einer Stadt wie Salzburg sicherlich gegeben, aber es gilt als Auszubildender des Mozarteums auch ein wenig aktiv zu sein:
Es gibt Hochschulorchester-Projektphasen, die circa viermal  im Jahr stattfinden. „Da Bässe immer Mangelware sind, spielt man auch verhältnismäßig viele mit. Dann gibt es Studienkonzerte der einzelnen Instrumentalklassen und Kammermusikkonzerte. Das sind die drei Hauptkonzertreihen. Ansonsten gibt es  natürlich noch andere Projekte und auch außerhalb des Mozarteums viele Auftrittsmöglichkeiten .“
In seiner Freizeit macht er deshalb viel Ausgleichssport – vorwiegend Schwimmen -  und trifft sich oft mit Freunden. Er habe sich mittlerweile gut in Salzburg eingelebt. Die lange Winterphase habe zwar ein eher tristes Bild der Stadt hinterlassen, aber mit den ersten Sonnenstrahlen habe er sich dort wieder pudelwohl gefühlt. Der 20-Jährige habe sich auch von Anfang an darauf gefreut, einen eigenen Haushalt zu haben und war neugierig darauf.

„Mir persönlich fällt es schwer, nicht zu viel an Technik zu denken.“

Die größte Veränderung spürte er jedoch in der Methodenlehre der Ausbildung. Er erklärt:
„Mir persönlich fällt es schwer, nicht zu viel an Technik zu denken und zu üben, weil doch ein Großteil der Übezeit auf Technik verwandt wird und es auch von allen als sehr, sehr wichtig erachtet wird. Ich vergesse dann oft, dass sie einem eigentlich nur die Möglichkeit geben soll sich musikalisch Auszudrücken und in ihrer Reinform doch sehr fad ist.“
Seine Familie habe ihn immer in seinem Werdegang unterstützt: Sie haben unzählige Übungsstunden ertragen – wenn auch nicht immer ganz wortlos“, lächelt er. Zur Zeit ist er ungefähr noch alle zwei Monate für kurze Zeit in der Heimat: Breitbrunn. Oft tritt er dann dort auch bei kleineren Konzerten und Ähnlichem auf, bevor es wieder nach Salzburg geht.
Es bedeutet dem jungen Musiker sehr viel, am „traditionsreichen Mozarteum“ zu studieren: „Ich möchte daran arbeiten und weiterkommen, woran ich wirklich arbeiten will.“
Und auf die Frage, wo er sich in zehn Jahren sieht, antwortet er schlicht:
„Am Üben – für was auch immer.“

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