Ein Mosaik der Stimmungen: uralt und aktuell

So schnell, fröhlich, himmlisch, zweifelnd und gefährlich wie das Leben: Das Benefizkonzert der Bamberger Symphoniker und einem ganz speziellen Chor begeisterte am vergangenen Freitag in der Stechert-Arena Konzertliebhaber, Laien und Kinder.

Stehend applaudierten die wohl ausverkauften Ränge am vergangenen Freitag in der Stechert-Arena. Umjubelt wurden diesmal jedoch keine Sportler – auch, wenn die Hauptpersonen angesichts der Hitze ein sportliches Durchhaltevermögen unter Beweis stellten -, sondern die Musiker, die eindrucksvoll die uralten „Carmina Burana“ interpretierten.
Es ist ein imposantes Bild aus schwarz-gekleideten Chorsängerinnen und – sängern, die hinter dem Orchester der „Bamberger Symphoniker“ in weißen Hemden thronen. Während die Kulturbotschafter Bayerns in Bamberg längst verwurzelt sind, stammt das ungefähr 500-köpfige Gesangsensemble aus über 50 Chören der Region. Sie geben – ebenso wie die „Bamberger Symphoniker“ – ihr Können ohne Gage preis. Der Erlös dieses Abends wird für die Sanierung der Klosterkirche St. Michael verwendet werden. In dem uralten Bamberger Denkmal ist nicht nur das Deckengewölbe schadhaft, sondern  wohl auch der Boden, wie aus einem Gutachten hervorgeht.

Carmina Burana

Höhen und Tiefen des Lebens

Die „Carmina Burana“ als uralter Liederzyklus scheinen dabei diesen Gegensatz von „hoch“ und „tief“ auch heute noch eindrucksvoll in die Gegenwart zu tragen. Nicht nur das imposante Eingangsszenario „Oh Fortuna“ mit den bekannten Liedzeilen:
O Fortuna!
Wie der Mond
So veränderlich,
Wachst du immer
Oder schwindest! -
Schmähliches Leben! (dt. Übersetzung)
entführt in die Vergangenheit, sondern auch in die eigene Gegenwart.
Es ist eine Musik, die sich ständig in Bewegung befindet: mal leise und schleichend, mal drohend und schnell. Stets deutet sie den nächsten Höhepunkt an, strebt darauf zu und setzt ihn mächtig in Szene.
Kein Wunder: Die Bandbreite der besungenen, weltlichen Themen ist groß: die Wechselhaftigkeit von Glück und Wohlstand, die Flüchtigkeit des Lebens, die Freude über die Rückkehr des Frühlings, sowie die Genüsse und Gefahren von Trinken, Völlerei, Glücksspiel und Wollust.

Menschliche Grundthemen

Die Soloparte der Solistin Robin Johannsen und der Solisten Benjamin Bruns und Dominik Köninger fügten sich ebenso eindrucksvoll in das Gesamtbild ein, wie die begleitenden Hintergrundtöne oder der 100-köpfige Kinderchor – zusammengestellt aus jungen Menschen der Region.
Auch sie zeigten, wie schnell menschliche Stimmungen wechseln können. So schnell, fröhlich, himmlisch, zweifelnd und gefährlich wie das Leben mit all seiner Spannung, so ergriffen verließen nach 65 Minuten die Zuschauer die Stechert-Arena vor den Augen des Orchesters mit seinem Dirigenten Ari Rasilainen. Der herausragende, finnische Dirigent sprang kurzfristig für den erkrankten Jonathan Nott ein.
Es ist eines der meistgespielten Chorwerke der Welt und längst nicht mehr nur in Fachkreisen bekannt. Auszüge der Carmina Burana begegnen einem heute auch bei Sportveranstaltungen, in Restaurants oder Kaufhäusern, und natürlich den Medien. Ihre bekannteste Interpretation erfuhr sie durch den Münchner Carl Orff (gest. 1982), der einigen vielleicht auch in Zusammenhang mit seinen Texten zum Chorwerk “Die Weihnachtsgeschichte” von 1948 bekannt ist.

Doch der Ursprung der Geheimnisse um dieses Großwerk ist viel älter: Per Zufall hatte Orff 1934 die „Carmina Burana“, eine Handschrift aus Benediktbeuren, entdeckt: eine Sammlung mittellateinischer und mittelhochdeutscher Vagantenlieder aus dem 13. Jahrhundert. Sie sind in nur einer einzigen Handschrift überliefert und ihre Autoren bleiben meist anonym. Vereinzelte Lieder können aber beispielsweise den deutschen Minnesängern Walther von der Vogelweide oder Neidhart zugeordnet werden. Der insgesamt 254 Texte umfassende Kanon enthält moralische- und Spottgesänge, Liebes-, Trink- und Spielerlieder. Hinzu kommen zwei längere, geistliche Theaterstücke. Mögen manche Stücke auch den Ruf einer “fahrenden, seichten Studentenpoetik” haben, zeugen sie jedoch tiefgründiger von einer breiten, klassischen Bildung und sprachlicher Ausdrucksfähigkeit.

Mehr zu Carmina Burana lesen hier in unserem Blog

20.07.2013/ ct

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